
Ibbenbüren, 22. Februar 2026
275 Meter fallen: Sprengung am Kraftwerk Ibbenbüren ebnet den Weg für Windstrom-Konverter
Das Projekt von Hagedorn und Amprion steht beispielhaft für den Strukturwandel in Deutschland. Mit der Sprengung von Schornstein, Rauchgasentschwefelungs- und Entstickungsanlage wurde der letzte und zugleich spektakulärste Höhepunkt im Rückbau des ehemaligen Kraftwerksstandorts in Ibbenbüren erreicht.
Mit der erfolgreichen, kontrollierten Sprengung des 275 Meter hohen Schornsteins sowie der Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) und der Entstickungsanlage (DeNOx) ist am 22. Februar ein entscheidender Abschnitt im Rückbau des ehemaligen Steinkohlekraftwerks Ibbenbüren umgesetzt worden. Seit 2023 bereitet die Hagedorn Unternehmensgruppe das Areal für die Nachnutzung durch den Übertragungsnetzbetreiber Amprion vor. Auf dem Gelände entsteht ab Mitte 2026 künftig die Konverterstation für das Projekt BalWin2, mit dem Offshore-Windstrom aus der Nordsee in das deutsche Übertragungsnetz eingespeist wird.
Im Mittelpunkt stand der 275 Meter hohe Stahlbeton-Schornstein, eines der höchsten Bauwerke Nordrhein-Westfalens. Der Schornstein wurde gezielt gefaltet. Dafür wurden drei Sprengzonen auf Höhe des Fundaments, bei 110 Metern sowie bei 190 Metern vorbereitet. Durch diese Mehrfachfaltung zerlegte sich der Schornstein beim Einsturz in mehrere Segmente und legte sich kontrolliert innerhalb des vorgesehenen Fallbereichs ab. Die drei Sprengabschnitte besaßen zusammen eine Masse von rund 15.500 Tonnen.
600 Kilogramm Sprengstoff nötig
Parallel zur Kaminsprengung wurden auch die letzten Anlagen der Rauchgasreinigung gesprengt. Die REA war rund 60 Meter hoch und vollständig unterkellert. Die DeNOx-Anlage bestand aus zwei baugleichen, jeweils etwa 50 Meter hohen Einheiten. Insgesamt waren 600 Kilogramm Sprengstoff erforderlich, um den Kamin sowie die DeNOx- und REA-Anlage kontrolliert zu Fall zu bringen.
Bülent Akgöl, Leiter der Abbruchsparte bei der Hagedorn Unternehmensgruppe, sagt: „Die heutige Sprengung markiert nicht nur einen wichtigen Meilenstein in diesem Projekt, sondern zeigt vor allem die starke Leistung unseres Teams. Hier waren monatelange Vorbereitungen, höchste Präzision, klare Sicherheitsstandards und echtes Teamwork gefragt. Mein ausdrücklicher Dank gilt daher der gesamten Hagedorn-Mannschaft, den beteiligten Firmen und unseren Partnern, insbesondere Amprion, sowie der Stadt Ibbenbüren für die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit.“
„Der Rückbau des ehemaligen Kohlekraftwerks Ibbenbüren steht symbolisch für den Wandel der Energiewelt in Nordrhein-Westfalen: Kohle geht, Wind kommt. Wir bauen hier einen Konverter, mit dem wir ab 2031 rund zwei Millionen Menschen in NRW mit regenerativer Energie aus der Nordsee versorgen können. Gleichzeitig reduzieren wir durch die Nachnutzung der Industriebrache den Eingriff in Natur und Landschaft. Das gibt dem Energiestandort Ibbenbüren eine grüne Perspektive. Ich möchte mich bei der Hagedorn Unternehmensgruppe und der Stadt Ibbenbüren für die ausgezeichnete Kooperation bedanken“, sagt Klaus Wewering, Leiter DC-Netzprojekte bei Amprion.
Der Sprengung gingen monatelange Vorbereitungen voraus. Dazu zählten umfangreiche Vorschwächungen, Bohr- und Trennarbeiten sowie die Entfernung sämtlicher Einbauten und rund 2.000 Kubikmetern Füllsand aus dem Inneren des Kamins. Zusätzlich wurden speziell ausgelegte Fallbetten und Endwälle vorbereitet, um die beim Aufprall entstehenden Erschütterungen gezielt zu reduzieren. Für die Fallbetten wurden etwa 35.000 Tonnen Bauschutt verwendet. Sie bestanden aus zwei Meter hohen Rippen, auf denen 50 Zentimeter Recyclingschotter lag.
Umfassendes Schutzkonzept
Der Schutz von Mensch, Umwelt und Infrastruktur war ein wesentlicher Schwerpunkt der Sprengung. Grundlage war ein detailliertes Schutzkonzept, das mögliche Auswirkungen durch Erschütterungen, Staubentwicklung und Streuflug auf ein technisch vertretbares Minimum reduzierte.
Dafür wurden großräumige Absperr- und Evakuierungsbereiche eingerichtet und rund 70 Sperrposten eingesetzt. Etwa 185 Anwohner wurden am Tag der Sprengung vorsorglich evakuiert, ebenfalls rund 300 Menschen der Zentralen Unterbringungseinheit Ibbenbüren (ZUE). Der eingerichtete Evakuierungsbereich umfasste einen Radius von rund 600 Metern. Ergänzend kamen Abdeckungen und Schutzverkleidungen an den Sprengzonen zum Einsatz. Meterhohe Gerüste mit Fangnetzen sicherten empfindliche Leitungen, zusätzlich wurde eine Containerwand errichtet.
Eine zentrale Maßnahme zur Staubminderung war der Einsatz von rund 170 Pools mit jeweils etwa vier Kubikmetern Wasser. Durch die gezielte Zündung von Sprengschnüren im Wasser entstand eine Wasserwand, die den aufwirbelnden Staub effizient band und seine Ausbreitung auf ein Minimum verringerte.
Zur objektiven Kontrolle der Erschütterungen wurden 30 Messgeräte in einem Umkreis von bis zu 1.000 Metern installiert. Sie dokumentierten die tatsächlichen Schwingungen an Gebäuden und Infrastruktur und waren Bestandteil der Beweissicherung.
An Planung, Vorbereitung und Durchführung der Sprengung waren rund 150 Fachkräfte beteiligt. Am Tag der Sprengung unterstützten zusätzlich etwa 100 Einsatzkräfte von Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk die Sicherheitsmaßnahmen.
Recyclingquote von 97 Prozent
Nach der Sprengung werden die anfallenden Materialien weiter zerkleinert, getrennt und so weit wie möglich wiederverwertet. Stahlschrott wird vollständig recycelt, mineralischer Bauschutt direkt vor Ort aufbereitet und erneut eingesetzt. Wie bei vergleichbaren Großprojekten strebt Hagedorn auch in Ibbenbüren eine Recyclingquote von bis zu 97 Prozent an. Ziel ist es, natürliche Ressourcen zu schonen und zusätzliche Transporte weitestgehend zu vermeiden.
Die Hagedorn Unternehmensgruppe, Eigentümerin des Areals seit 2023, bereitet die Fläche bis zum Sommer 2026 vollständig baureif vor und übergibt sie anschließend an Amprion. Bereits am 6. April 2025 waren mit der Sprengung des Kesselhauses und dem Rückbau des Kühlturms wesentliche Gebäudestrukturen gefallen. Für Hagedorn ist das Rückbauprojekt in Ibbenbüren mittlerweile das fünfte Kraftwerksprojekt.
Mit der heutigen Sprengung der letzten Großbauwerke endet ein prägendes Kapitel Industriegeschichte am Kraftwerksstandort Ibbenbüren. Der Rückbau des Materials und die Flächenaufbereitung werden fortgesetzt und ebnen Schritt für Schritt den Weg für die nachhaltige Nachnutzung des Standorts im Zeichen der Energiewende.
Fotos und Videos finden Sie hier: https://share.mediaflow.com/de/?Q9LB75IGB9

Über die Hagedorn Unternehmensgruppe
Die Hagedorn Unternehmensgruppe mit Sitz in Gütersloh ist einer der weltweit führenden Anbieter entlang der Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft – mit Schwerpunkten in Rückbau, Entsorgung, Recycling, Tiefbau, Schwerlastlogistik, Flächenrevitalisierung und Digitalisierung. 1997 von Thomas Hagedorn gegründet, beschäftigt die Gruppe heute über 2.000 Mitarbeitende und umfasst mehr als 30 Gesellschaften. Mit Standorten in ganz Deutschland sowie Projekten im Ausland gehört Hagedorn zu den international erfolgreichsten Abbruchunternehmen und ist heute mit seinem breiten Leistungsspektrum in zahlreichen Bereichen der Bau- und Flächenentwicklung aktiv.
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Judith Roderfeld
Pressesprecherin


